Mehr als ein deutsch-russischer Schüleraustausch
03.11.2011 in Schülerbeiträge 2011/2012 von JuS-Team
Berliner Schüler des Heinrich-Schliemann-Gymnasiums und der Mittelschule in Novosibirsk auf den Spuren der Menschenrechte
Die Wahl der Partnerschule ist auf das Projekt „Sonnenfinsternis“ 2008 zurückzuführen, zu welchem 15 „Schliemaner“ auch mit den Flegels in der Transsibirischen Eisenbahn nach Novosibirsk reisten. Die Bekanntschaft mit der Partnerschule von einst sollte aufrecht erhalten und ausgebaut werden. Seit circa zwei Jahren wird an der Thematik gearbeitet und der Abschluss des Projekts wird im Dezember diesen Jahres erfolgen. Die Schliemannschule wählte einen frühen Zeitraum, um so dem eisigen, langen sibirischen Winter aus dem Wege zu gehen: Die Begegnung in Berlin fand vom 10. Bis 18. September und die Novosibirsk direkt in der anschließenden Woche statt.
Das Konzept dieses Projektes beruht auf einem historischen Exkurs in den Zeitraum von 1961 – 1989 in beiden Ländern. Die Betrachtung des Instrumentalcharakters von Menschenrechten und des Freiheitsverständnisses und die unterschiedliche Wahrnehmung der Geschichte auf beiden Seiten, auch in Bezug auf höchst aktuelle Ereignisse, standen und stehen weiter im Mittelpunkt der Projektarbeit. Im Verlauf der Begegnungen ist die Frage, ob Menschenrechte durch die Herrschaft des Rechtes geschützt werden müssen, eine zentrale geworden.
Die Teilnehmer sollen als Akteure in die Kultur des Erinnerns einbezogen werden. Die Geschichte der ehemaligen DDR als ein Satellitenstaat der Sowjetunion ist eng mit deren Auflösungsprozess verbunden. Die Schüler in Novosibirsk konnten diesen Schritt kaum nachvollziehen und es bot sich eine große Chance an der Thematik gemeinsam weiter zu arbeiten, zumal Menschenrechtsverletzungen in Russland immer wieder in der Kritik der Weltöffentlichkeit stehen. Unabhängig von der Ideologie gleichen sich die Methoden aller Staaten, die die Freiheiten ihrer Bürger autoritär oder diktatorisch einschränken.
Im Mittelpunkt stand die Arbeit mit Zeitzeugen. Die Interviews hatten den wesentlichen Vorteil, dass die Schüler eigene Fragen an eine „mündliche Quelle“ stellen konnten und sofort Antworten erhielten. Somit waren die Projektteilnehmer nicht nur Rezipient von Quellenmaterial, sondern wurden aktiv in den Erfahrungsprozess integriert. Außerdem wird durch Zeitzeugeninterviews die Begegnung unterschiedlicher Generationen ermöglicht. Die SchülerInnen können so lernen, Verständnis, Respekt und Achtung unter den Generationen anzubahnen und Vorurteile abzubauen. Hinsichtlich der Entscheidung für Zeitzeugen hatten wir eine Vorauswahl getroffen, da die zu befragenden Personen einige projektbezogene Bedingungen erfüllen sollten. Unsere Wahl fiel auf Herrn Rainer Bäthge, Frau Lilo Nagengast, Frau Ines Borgmann und Frau Dr. Karla Sachse. Alle Zeitzeugen kannten das Thema des Projektes und haben mit großem Enthusiasmus im Vorfeld der Befragung Materialien und Zeit zur Verfügung gestellt, um zum Gelingen beizutragen. Dafür an dieser Stelle unser Dank.
Während die Bereitschaft der Menschen in Berlin groß war, sich der Geschichte, ihrer eigenen zu stellen, gab es in Sibirien eher Schwierigkeiten, geeignete Gesprächspartner vor die Kamera oder das Mikrofon zu bekommen. Nicht nur einen Erfahrung, sondern auch eine Erkenntnis.
Neben intensiver Auseinandersetzung mit dem Thema, war das Programm für die Gäste in der Schule und in den Familien jeweils hervorragend gestaltet und bot nicht nur Raum zur Diskussion, sondern auch zu Spaß und Freude am Neuen, am Unbekannten, am Ungewöhnlichen.
In Berlin fand die Woche einen würdigen Abschluss mit einer spektakulären Luftballonaktion auf der S-Bahnbrücke in der Dunckerstraße. 100 Luftballons stiegen unter dem Motto: „Ich fliege, wohin ich will“ in den strahlend blauen Himmel, begleitet von gemeinsamen Gesang „Die Gedanken sind frei“.
Sibirien bot sich am Ufer des Ob mit seiner gesamten Schönheit dar. Goldener Herbst in einem Erholungslager am Lagerfeuer mit Schaschlyk und einem echten Russkij Stol. Russischer konnte es gar nicht sein.
Die Präsentation des Projektergebnisses wird am 14.01.2012 zum Tage der offenen Tür an der Schliemannschule erfolgen. Eine verdrehbare Würfelwand von 1,50 x 1,50, thematisch aufbereitet, wird sicher für alle Betrachter eine Überraschung. Außerdem entstand ein dokumentarischer Film und ein Blog auf der Homepage von EUROPEANS FOR PEACE.
Heinrich-Schliemann-Gymnasiums und der Mittelschule in Novosibirsk |
Josepha Christ, Gabriele Flegel









