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Zu Gast bei „hartaberfair“

30.11.2011 in Schülerbeiträge 2011/2012 von JuS-Team


Ganz plötzlich ist er da. „Wer von ihnen hat den weitesten Anfahrtsweg?“ Stille. „Sind Sie alle aus Berlin?“ Er wirkt ein wenig überrascht. „Lüneburgerheide.“ Das ist die erste zaghafte Antwort. „Aha sehr schön, sehr schön!“ Frank Plasberg ist ein Profi. Man merkt es ihm sofort an, er schlendert locker vor den Zuschauern auf und ab stellt hier ein kleine Frage dort eine, er plaudert und witzelt ein bisschen und lernt seine Zuschauer auf eine charmante Art und Weise kennen „Wie lange sind sie verheiratet?“. Er testet das Publikum auch ein bisschen aus, fragt ganz nebenher wie denn unser Innenminister heißt. Auch die wichtigsten Leute aus seinem Team stellt er vor. Man merkt, dass er versucht alle Zuschauer anzusprechen, er verweilt immer nur ganz kurz bei einer Person. Die Sprachregie (Sänger bei den „Ossi’s“) trällert ein kleines Liedchen und ein Steward aus seinem Team weist uns auf die Notausgänge und Atemmasken hin.

Um 21:00 Uhr war Einlass. Das Studio ist sehr klein es gehen gerade mal 50-60 Zuschauer rein, dafür gibt es aber unglaublich viele Scheinwerfer, es dürften so um die 120 Stück sein, sie hängen alle an der Decke des Studios. Kameras sind drei mit Stativ, ein Schwenkarm und eine zu tragende Kamera vorhanden. Das Studio wirkt auch in echt eigentlich sehr vollkommen. Es hat in etwa die Form einer Ellipse. Auf der einen langen Seite sitzen die Studiogäste, auf der anderen die Politiker und geladenen Gäste in der Mitte ist ein großer Freiraum. Die Zuschauer sind alle da und unterhalten sich leise, das Team etwa, 15 Leute, unterhält sich ebenfalls und steht ein bisschen gelangweilt am Rand. Im Hintergrund sieht man ein zwei mal Plasberg vorbei huschen.

Und jetzt kommt er. Plasberg ist groß, Anfang fünfzig, grauer Anzug rosa Hemd und man muss sagen, er sieht Live genau so aus wie man ihn aus dem Fernsehen kennt. Es ist etwa 21:15 Uhr, um 21:45 Uhr beginnt die Show. Er unterhält sich mit seinem Publikum etwa fünfzehn Minuten, dann wird die Tagesschau geguckt. Vorher hat er sein Publikum noch gebeten immer schön artig zu klatschen „Sie dürfen nämlich nur gehen, wenn sie mindestens einmal als erster geklatscht haben, andernfalls müssen Sie mit aufräumen, wir haben kleine Kameras installiert und überwachen Sie damit, dass ist alles mit Hr. Schäuble abgeklärt, der findet das ganz toll.“

Das Thema dieser „hartaberfair“ Show ist: Der Arzt und das liebe Geld, Wer rettet den Hausarzt von nebenan?. Dafür sind geladen: Hr. Bahr (Gesundheitsminister), ein Landarzt, ein Facharzt aus Mönchengladbach, Fr. Pfeiffer (Vorsitzende des Spitzen-verbandes der gesetzlichen Krankenkassen) und Hr. Dr. Dr. Lauterbach (Gesundheitsexperte der SPD). Die Gäste kommen eine Viertelstunde vor Beginn nach vorne und setzen sich hin. Sie werden noch einmal geschminkt und instruiert. Dann gibt es ein Mikrofonprobe. Die Gäste wirken recht locker und scherzen ein bisschen.

Dann beginnt die Show und alles ist genau so wie man es erwartet hätte. Der Landarzt erzählt sehr engagiert von seiner Arbeit und schaut ganz verklärt wenn er von der Dankbarkeit seiner Patienten erzählt, er ist der einzige der keinen Anzug trägt, ob von der ARD vorgegeben oder nicht? Der Rest der Runde ist jedenfalls in Anzug erschienen und auch sie spielen ihre Rollen gut, ganz wie man das kennt, Bahr und Lauterbach nehmen verschiedene Positionen ein. Das Thema ist eigentlich nicht sehr spannend und die Zuschauer sitzen sehr starr und ausdruckslos auf ihren Stühlen. Die Scheinwerfer sind alle an und man merkt wie heiß die sind, denn sobald einer mal ausgeht wird es gleich merkbar kühler. Das Publikum wird jetzt kaum noch mit eingebunden und die Gäste vorne sind auch nicht sehr hitzig am diskutieren. Wird es doch mal ein bisschen heftiger hört man sogleich lachen im Publikum und die Aufmerksamkeit steigt wieder. Hin und wieder wird geklatscht, die linke Publikumshälfte klatscht öfter als die Rechte, wahrscheinlich aus Angst noch aufräumen zu müssen. Während den Videoeinspielungen wird im Publikum ein bisschen gequatscht. Die Show zieht sich in die Länge, der anfangs noch sehr aktive Arzt redet kaum noch und nur Bahr und Lauterbach beharken sich hin und wieder, was auch regelmäßig für einen Spannungsanstieg sorgt und ein wenig Gelächter verursacht.

Einen wirklich harten Job haben heute eigentlich nur die Kameraleute, insbesondere der Kameramann der seine Kamera tragen muss. Meist werden nur etwa drei bis acht Sekunden Bilder von der einen Kamera gezeigt, dann ist schon wieder die nächste dran. Wie eine Art Tanz sieht das Zusammenspiel der Kameras aus. Sie laufen in Bögen um einander herum immer als zweier Team, einer filmt und der andere hält das Kabel.

In den Videopausen wird den Gäste Wasser nachgeschenkt, die Ärzte bedanken sich, die Politiker und Fr. Pfeiffer schweigen und sehen den einschenkenden nicht mal an. Hr. Plasberg trinkt kein Wasser sondern eine dunkelrote Flüssigkeit, ob es Wein oder Traubensaft ist kann man nicht sagen.

Plasberg fühlt sich sichtlich wohl in dieser Atmosphäre. Er ist geistig voll da und sehr aufmerksam, witzelt gerne mal und hakt immer nach. Als die Sendung noch nicht begonnen hatte und er das Publikum kennen lernen wollte und dafür ein paar Fragen gestellt hat hakte er auch immer gleich nach und man war immer leicht verunsichert.

Die Sendung ist alles in allem langweilig. Manchmal hat man auch den Eindruck selbst Bahr findet es ein bisschen langweilig, er lächelt ein bisschen halbherzig ins Publikum und muss schmunzeln, als er jemanden gähnen sieht. Die Aufmerksamkeit des Publikums ist nicht sehr hoch, doch man merkt wie verschiedene Meinungen beklatscht werden, so klatschen die einen (meist die selben) für Bahr und die anderen für Lauterbach. Das dass Interesse nicht mehr so hoch ist kann man auch daran erkennen, dass sich die Zuschauer nicht mehr wie am Anfang ein wenig verrenken um an den Kameras vorbei etwas zu sehen. Überhaupt wird, dadurch dass so viel abseits der Gäste passiert, die eigentliche Show für den Zuschauer uninteressanter. Aus dem Thema ist aber auch nicht viel zu machen.

Und dann nach 75 Minuten ist die Sendung vorbei und Plasberg bedankt sich beim Publikum fürs Kommen. Und dann geht er, ganz nüchtern ohne irgendwelche Fragen an seiner Person zuzulassen. Und ganz plötzlich ist er weg.

Freie Waldorfschule Kreuzberg | Jan Eppich | Klasse 10


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