BLZ

Wer bin ich?

20.06.2011 in Uncategorized von JuS-Team


Ende des 18. Jahrhunderts wanderten viele Deutsche auf Veranlassung von Katharina der Zweiten nach Russland oder in die Ukraine aus. Gründe für die Einladung der Deutschen waren ökonomische und politisch-strategische Ziele für Russland, die von Katharina der Zweiten verfolgt wurden.

Einerseits sollten die deutschen Fachkräfte den allgemeinen Wohlstand in Russland verbessern und durch eine höhere Bevölkerung dem Land zu mehr Macht verhelfen. Anderseits sollte der Schutz durch Besiedlung der Grenzregionen vor Nachbarvölkern gewährleistet werden. Sie stammten aus Gebieten wie Württemberg, Baden, Elsass, Lothringen oder der Pfalz. Die Deutschen, die in der Ukraine siedelten, wurden als ,,Schwarzmeerdeutsche‘‘ bezeichnet. Im Gebiet um Odessa, einer Großstadt der Ukraine, wurden einige deutsche Dörfer errichtet. Diese Menschen isolierten sich vollkommen von der restlichen Bevölkerung. Des Weiteren errichteten diese deutschstämmigen Völker eigene öffentliche Einrichtungen wie Schulen, die ähnlich denen in ihrer Heimat waren. Kaum jemand sprach eine andere Sprache als Deutsch. So lebten sie ausgegrenzt in diesen Dörfern und versuchten ihre deutschen Traditionen und ihre Kultur beizubehalten. Nach ca. 150 bis 180 Jahren brach der Zweite Weltkrieg aus und die Menschen wurden in verschiedene Gebiete vertrieben. Die Familie meines Großvaters wanderte wieder nach Deutschland zurück. In Deutschland mussten die beiden älteren Söhne der Familie in die SS-Armee eintreten. Am Ende des Krieges, als Russland deutsche Gebiete besetzt hatte, wurde die Familie meines Großvaters nach Kasachstan geschickt. Er und sein älterer Bruder wurden von den russischen Wehrmächten verhaftet und sie mussten zehn Jahre in der Provinz Magadan Zwangsarbeit in Bergwerken verrichten. Nach zehn Jahren wurden sie freigelassen und durften Russland verlassen. 1954 reisten die beiden Brüder ihrer Familie nach Kasachstan nach. In Kasachstan lernte mein Großvater meine Großmutter kennen, die ebenfalls eine Russlanddeutsche aus der Ukraine war. Zusammen bekamen sie vier Kinder. Die ersten drei Kinder erhielten einen deutschen Namen, was zu dieser Zeit vielleicht nicht angemessen war, denn somit wusste jeder dann, dass sie Deutsche waren. Bis zur Einschulung konnten die drei Kinder kaum ein Wort Russisch. In der Schule wurden sie gehänselt und sogar als Faschisten bezeichnet. Meine Mutter kam 1965 zur Welt. Die älteren Geschwister konnten meine Großeltern dazu überreden, dass meine Mutter einen russischen Namen bekommt. 1986 heiratete meine Mutter auch einen Russlanddeutschen, aber einen Kaukasiendeutschen. Sie bekamen zwei Kinder, meinen jüngeren Bruder und mich. In Kasachstan wurden wir immer als ,,die Deutschen‘‘ bezeichnet. Als wir in den 90er Jahren nach Deutschland kamen, wurden wir hier als Russen bezeichnet.

Wenn ich ehrlich sein soll, weiß ich bis heute nicht, wer ich bin. Denn ich bin in Kasachstan, in einem muslimischen Land geboren. Meine Muttersprache ist Russisch und meine gesamten Vorfahren sind deutsch.

OSZ-Körperpflege | Maria Maier | Klasse FOS 02



Mach Mit