Die Kunst der Grafologie
20.06.2011 in Uncategorized von JuS-Team
In der heutigen Zeit der Technik kommt es bei einem Grafologen, dessen Aufgabe es ist, Handschriften psychologisch zu analysieren, vermutlich seltener vor, dass er zu Rate gezogen wird. Früher sollte er unter anderem Arbeitgebern dabei helfen, die zukünftigen Mitarbeiter schon vor einem ersten Zusammentreffen ein wenig einschätzen zu können. Aufgrund von mittlerweile hauptsächlich abgetippten Bewerbungen ist er dabei nun kaum noch vonnöten. Außerdem treten viele diesem Beruf sehr skeptisch gegenüber, da die Aussagen, welche anhand von größer, kleiner, runder oder schmaler geschriebenen Buchstaben getroffen werden, nie wissenschaftlich belegt wurden. Die Grafologie dient inzwischen besonders dem eigenen Interesse, sich seine Persönlichkeit deuten zu lassen.
Viele Magazine entwickeln dazu so genannte Psychotests, wobei auch das Thema der Schreibenart schon öfters eine Rolle spielte. Diese funktionieren dann per Beschreibung der eigenen Handschrift, indem man entsprechende Fragen beantwortet. Ob das Ergebnis der angekreuzten Kästchen aber tatsächlich ernst zu nehmen ist, bleibt fraglich.
Auch unbewusst gezeichnete Bilder und Formen können im Interesse eines Grafologen liegen. Die Kritzeleien, welche von ca. 65% der Menschen gemacht werden, entstehen häufig beim Telefonieren oder im Schulunterricht und sagen nach Meinung des Londoner Psychologen Jack Goodman mehr über den Charakter des jeweiligen Künstlers aus, als man denkt. Während der eher gestresste Typ, der häufig zu lange auf der Suche nach einem nicht vorhandenen und tieferen Sinn ist, dazu neigen soll, Augen zu zeichnen, bringt der freundliche und teamfähige Typ angeblich gemalte Tiere zu Papier. Kreis- und spiralförmige Gebilde stehen nach grafologischer Meinung für Unsicherheit, wohingegen Spitzen und Zacken für den starken oder sogar aggressiven Charaktertyp stehen. Auch Quadrate und Dreiecke, welche den rationalen und wenig emotionalen Denker widerspiegeln, und Blumen, durch die dem Stiftführer Humor und Offenheit nachgesagt werden, gehören zu vielen ungeplanten Zeichnungen.
Natürlich ist das Gekritzelte auch sehr gefühlsabhängig. Ob man an solch eine Deutung glauben möchte oder nicht, liegt ähnlich wie bei der Astrologie bei einem selbst. Sicher ist aber, dass Kritzeleien während Unterhaltungen oder in ähnlichen Situationen wohl gegen viele Erwartungen die Konzentration steigern und nicht mindern. Das hat die britische Verhaltensforscherin Jackie Andrade in einem Experiment nachweisen können. Also sollte es ab jetzt nicht mehr lauten ,,Guck mir in die Augen, wenn ich mit dir rede”, sondern ,,Guck auf ein Blatt, wenn ich mit dir rede”. Immerhin soll man sich dann besser an das Gespräch erinnern können. Die Grafologie könnte als interessanter Nebeneffekt der ungewöhnlichen Devise zum Einsatz kommen.
OSZ-Körperpflege | Alice Schuckar | Klasse FOS 02

