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Chancenlos

20.06.2011 in Uncategorized von JuS-Team


Entgegen der bisherigen Erhebungen, es gäbe in Deutschland 4 Millionen Analphabeten, haben Ergebnisse der in diesem Jahr vorgestellten Hamburger Level-One Studie ergeben, dass fast doppelt so viele Menschen in Deutschland im Alter zwischen 18 bis 64 Jahren funktionale Analphabeten sind.

Nach geltender Rechtsprechung gilt Analphabetismus nicht als Form der Behinderung, obwohl die Betroffenen erheblich gehindert sind, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren. Dies birgt vor allem soziale Probleme. Analphabeten, die keine Anstellung finden, haben sozialrechtlich keinen Anspruch auf eine Erwerbsunfähigkeitsrente. In einer Leistungsgesellschaft, in der das Motto gilt „Optimiere dich, oder du bist raus!“, werden Analphabeten von der Gesellschaft ausgegrenzt. Im Besonderen bedeuten die unzureichenden Lese- und Schreibfähigkeiten der funktionalen Analphabeten die Hinderung am sozialen Aufstieg. Aktuelle Diskussionen über Chancengleichheit schließen die Problematik des Analphabetismus nicht mit ein. Chancengleichheit beruht auf dem Prinzip eines einheitlichen Bildungsstandards, der nicht allein im schulischen Bildungsauftrag liegt.

Neben kulturell und psychisch bedingten, individuellen Defiziten ist auch die Prägung durch die Eltern für die Entstehung von Analphabetismus ausschlaggebend. Dies wird sich langfristig für die Betroffenen zu einem zunehmend größeren Problem auf dem Arbeitsmarkt entwickeln. Der Fachkräftemangel ist nur eines von vielen Problemen, die, den Arbeitsmarkt betreffend, gelöst werden wollen. Elementare Defizite wie Analphabetismus werden jedoch scheinbar nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit analysiert.

Um langfristig auch Benachteiligten unserer Gesellschaft die Chance zu ermöglichen, sich in das System zu integrieren, sollte die Verantwortung und das Bewusstsein dafür von jedem Einzelnen von uns getragen werden. Auch die Politik muss derartige Schwerpunkte setzen.

OSZ-Körperpflege | Linda Weinert | Klasse FOS 01



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