Der Orkan in der Statistik
30.06.2010 in Beiträge Schuljahr 2009/2010 von JuS-Team
Eine genaue Auswertung von Wetterdaten gibt hilfreiche Erklärungen für ungewöhnliche Erscheinungen
Extrem kalt und ganz viel Schnee, so schätzten die meisten Berliner den vergangenen Winter 2009/2010 ein. Doch was den Schnee betrifft, ist das ein Irrtum! Das ergibt sich nach einer Auswertung der Berliner Wetterdaten.
Denn der Durchschnittswert der Niederschläge lag im Dezember 2009 bei 58,3 Litern pro Quadratmeter. Im Januar sogar nur bei 20,9 Litern pro Quadratmetern. Zum Vergleich: In den Jahren 1961 bis 1990 betrug der Durchschnittswert bei Niederschlägen im Monat Dezember 53,4 Liter pro Quadratmeter. Somit lag der Mittelwert für den Dezember 2009 nur geringfügig über dem Wert der Jahre 1961 bis 1990. Von ungewöhnlich viel Schnee im vergangenen Winter kann also keine Rede sein.
Für die „gefühlten“ Schneemassen gibt es einen einfachen Grund: Am 10.Dezember 2009 schneite es zum ersten Mal in diesem Winter kräftig. 11,3 Liter pro Quadratmeter wurden gemessen. Kurz vor Weihnachten und einen Tag vor Silvester fiel wieder Schnee. Die Temperaturen sanken auf bis zu Minus 14° Celsius. Den ganzen Winter über blieb es sehr kalt, es gab kaum Tage mit Plus-Graden hingegen einige mit extremen Temperaturen von bis zu Minus 16,5° Celsius, wie am 26. Januar 2010. Der Schnee taute nicht sondern blieb die ganze Zeit liegen. So entstand vielleicht der Eindruck es habe viel geschneit.
Um solche Besonderheiten zu erklären genügen keine durchschnittlichen Wetterdaten, es geht um Details. Meteorologen und Wetterdienste haben genaue Messwerte. Aus ihnen kann man erfahren, dass in den vergangenen sechs Jahren die Niederschlagswerte zwischen 15,9 Liter pro Quadratmeter (Februar 2008) und 110,6 Liter pro Quadratmeter (Januar 2007) schwankten.
Doch wie kommt dieser hohe Wert im Januar 2007 zustande? Was ist da passiert?
Am 18. Januar 2007 wütete der Orkan „Kyrill“ in Europa und auch in Berlin. Die Feuerwehr rief den Ausnahmezustand aus. Auf den Flughäfen durften die Maschinen nicht starten, in den Kitas und Schulen holten die Eltern ihre Kinder früher ab als sonst, aus Angst vor den heftigen Böen und Niederschlägen. In dieser Nacht regnete es so stark wie lange nicht mehr. Die Meteorologen maßen in Berlin 44 Liter pro Quadratmeter. Das war so viel, wie laut Statistik in einem Monat fällt. Der Niederschlag lag an diesem 18. Januar 157 Prozent über dem Durchschnitt. Das hatten die Wetterexperten errechnet.
Ohne einen genauen Blick in die Wettertabellen sind solche Besonderheiten wie Schnee-Irrtümer und Orkanausbrüche wohl kaum zu erkennen. Und manchmal hilft es wohl, nicht nur über das Wetter zu reden sondern es auch zu erforschen.
Grundschule am Kollwitzplatz | Hannah Hetzer | Klasse 6c

