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Vom Würdenträger zum Wechselfach

21.06.2010 in Beiträge Schuljahr 2009/2010 von JuS-Team



Es ist Sonntag. Endlich zuhause und Entspannung nach einer anstrengenden Woche. Stört euch Autolärm? Stört euch der Rasenmäher des Nachbarn? Höchstwahrscheinlich. Aber ein paar Töne Musik?

Vor zwei Jahren verklagte ein Mann seine Nachbarn wegen Ruhestörung, weil deren Tochter Klavier spielte. Wegen dieses „Vergehens“ wurden die Eltern vom Amtsgericht Tiergarten mit einer Geldstrafe belegt. Der Landesmusikrat setzt sich inzwischen dafür ein, das Immissionsschutzgesetz so zu verändern, dass Kinder und Jugendliche im Rahmen selbstverständlicher Rücksichtnahme musizieren dürfen. Wäre dies wirklich so störend?


Christian Höpper, der Präsident des Landesmusikrates Berlin, nahm dazu Stellung und erklärte: „Es ist grotesk, dass die Rechtslage in Berlin das von Kindern verursachte Musizieren einer Lärmbelästigung durch Industrie und Gewerbe gleichsetzt. Musizierende Kinder sind ein Glücksfall für unsere Gesellschaft.“ Und das sind sie in der Tat. Immer weniger Kinder und Jugendliche musizieren selbst. Berlin ist in Bezug auf die musikalische Bildung ein riesiges Problemfeld. In Kindergärten wird nicht mehr gesungen, in den Schulen wird das Fach Musik nahezu ausradiert und die Zuteilung eines Unterrichtsplatzes an einer bezirklichen Musikschule kommt einem Lottogewinn gleich. Es steht schlecht um unsere Kultureinrichtungen und vor allem um das soziale Miteinander in unserer Stadt.


Die Musik und das Musizieren sollte eine Stadt, ein Land und nicht zuletzt eine europäische Kulturmetropole lebendig halten. Das ist das Ziel des Landesmusikrates. Er setzt dabei hauptsächlich auf jugendkulturelle Aktivitäten, was jedoch schwer ist, da die Musik in Schule und Ausbildung verlorenzugehen droht. Dabei ist die musikalische Bildung gerade in jungen Jahren prägend für die Persönlichkeitsentwicklung. Die Schule ist der einzige Ort, wo wirklich alle Kinder und Jugendliche erreicht werden können. Darum ist ein zweistündiger Musikunterricht auch so wichtig. In den Oberschulen wird Musik inzwischen nur noch ein halbes Jahr lang unterrichtet und wechselt für das folgende Halbjahr mit Kunst.


Musik ist jedoch zu wichtig, um es als „Wechselfach“ zu sehen! Es ist wichtig im Denken und Handeln aller Entscheidungsträger. Musik sollte wieder als „wirkliches“ und notwendiges Unterrichtsfach angesehen werden. Nicht nur, dass in den Oberschulen mehr Musik gemacht wird, sondern im Kindergarten sollte wieder mehr gesungen und musiziert wird und Eltern sollten ihren Kindern die Möglichkeit geben, selbst ein Instrument zu spielen.


Auch sonntags…

Gabriele-von-Bülow-Gymnasium | Klasse 10a | Vanessa Frey


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