„Leidenschaft öffnet Türen“
21.02.2012 in Freizeit, Gefühle, Interview, Kultur, Lebensstil, Spaß, Top-Thema, Unterwegs, Verstehen, Zukunft von spreewildpraktikant

Joshua Lupemba, 24 Jahre, wollte Musikmanager werden, bevor er den Pastorenberuf ergriff. Foto: Lyth Iwas
Joshua Lupemba darüber, wie er Berlins jüngster Pastor wurde, und was Deutschsein für ihn bedeutet
Joshua Lupemba beendete die Schule mit 16 Jahren. Sein Vater stammt aus dem Kongo, seine Mutter aus Ghana. Er wurde christlich erzogen. Heute ist er 24 Jahre alt und der jüngste Pastor Berlins. Außerdem geht er als Motivationscoach an Schulen. Dort spricht er im Rahmen der Berliner School Talks mit Jugendlichen, um ihnen zu vermitteln, dass Erfolg nicht von der Herkunft abhängt. Auch in weltlichen Dingen kennt sich Lupemba aus – bevor er Pastor wurde, war er in der freien Wirtschaft tätig.
Herr Lupemba, Sie sind 24 Jahre alt und damit der jüngste Pastor Berlins. Wussten Sie schon immer, dass Sie diesen Beruf ergreifen wollen?
Ich wollte nicht schon immer Pastor werden. Als ich zwölf Jahre alt war, fing ich an zu arbeiten, um eigenes Geld zu verdienen. Damals wollte ich Musikmanager werden. Meine Lehrer sagten mir, das sei auf meinem Bildungsweg unmöglich. Doch durch meine Arbeitserfahrung wusste ich, dass ich das erreichen kann, wenn ich es will. Die abschätzigen Meinungen meiner Lehrer spornten mich geradezu an, ihnen zu beweisen, dass sie im Unrecht waren. Wenn man etwas erreichen will, muss man auch etwas dafür tun. Leidenschaft öffnet Türen.
Wie sind Sie dann Pastor geworden?
Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der viel schief lief. Meine Mutter hatte gesundheitliche Probleme und das Business, das ich mir aufgebaut hatte, ging den Bach hinunter. Als ich in dieser Zeit einmal eine Gruppe junger Christen auf dem Alexanderplatz sah, wurde ich traurig. Die Show, die sie ablieferten, war dermaßen schlecht, dass die Zuschauer sie auslachten. In diesem Moment dachte ich: Warum können wir das nicht gemeinsam besser machen? Letztendlich erkenne ich eine Linie in meinem Leben. Alle negativen Erfahrungen waren eine Vorbereitung auf meine jetzige Lebenssituation.
Wirkt sich die Tatsache, dass Sie für einen Pastor sehr jung sind, auf Ihre Predigten aus?
Ich denke, ja. In der Kirche wird einem oft gesagt, was man nicht tun sollte. Ich hingegen versuche aufzuzeigen, was für Möglichkeiten man hat und wie man Gottes Wort im Alltag anwenden kann. Meine Arbeit zielt darauf ab, das gesellschaftliche Zusammenleben zu fördern.
Neben Ihrer Pastorentätigkeit sind Sie in dem Verein Typisch Deutsch aktiv.
Wie sieht Ihre Arbeit dort aus?
Unser Verein Typisch Deutsch richtet sich besonders an Menschen mit Migrationshintergrund. Unser Ziel ist es aber, eine Brücke zwischen der ersten und zweiten Generation der Einwanderer – den „Neuen Deutschen“ – und den „alten“ Deutschen herzustellen. Deutschsein ist für uns keine Kulturfrage, sondern eine Frage des Zusammenlebens. Hier in Deutschland entsteht Kultur durch das Zusammentreffen unterschiedlichster Bevölkerungsgruppen.
Sie arbeiten als Motivationscoach viel mit sozial benachteiligten Jugendlichen und demotivierten Schülern. Was bewirkt Ihre Arbeit?
Ich hoffe, dass ich Perspektiven aufzeigen kann. Jeder muss sich selbst helfen, das kann ich nicht übernehmen. Es gibt jedoch etwas, an das sich jeder halten kann. Ich glaube, wer positiv denkt und sich auf seine Ziele konzentriert, der zieht das Glück an. Wenn ich sehe, wie sich jemand Stück für Stück in eine bessere Richtung entwickelt, macht mich das glücklich und dankbar.
Das Gespräch führte Marie-Sophie Röder, 19 Jahre
Joshua Lupemba predigt jeden Sonntag von 12.30 bis 14.30 Uhr im Veranstaltungszentrum Jo 3, 16, Bülowstraße 56, Christ International Church e.V.
















