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„Es ist nicht peinlich, schwul zu sein“

30.01.2012 in Freunde, Gefühle, Lebensstil, Lieben, Meinen, Sex, Spaß, Top-Thema, Verstehen, Verändern von spreewildpraktikant

In der Liebe geht es eigentlich nur um die Liebe. In der Schule werden Schwule dennoch oft gemobbt. Foto: Photocase/Gschpænli


Viele homosexuelle Schüler und Lehrer lieben im Verborgenen. Zwei, die sich geoutet haben, machen Mut.



Von Diana Höhne , 20 Jahre , und Thuy Vu Thu, 16 Jahre



Tim unterhält sich mit mir im Aufenthaltsraum für die Oberstufe. Dass etwa 20 Leute mithören können, wenn er mir über sein Intimleben erzählt, stört ihn nicht. „Ich bin da sehr offen. Auf dieser Schule hatte ich noch nie ein Problem damit, dass ich bisexuell bin und die Leute das auch wissen.“ Das war nicht immer so. An seiner alten Schule wurde er ausgelacht und beschimpft. „Da sind zum Teil sehr verletzende Worte gefallen“, sagt Tim.



Mobbing homosexueller Schüler ist ein großes Problem. Ende des vergangenen Jahres wandte sich daher die Leiterin der Bundes-Antidiskriminierungsstelle, Christine Lüders, an die Öffentlichkeit und forderte Lehrer auf, entschiedener einzugreifen, wenn Jugendliche sich aus Angst vor ihren Mitschülern nicht selbstbestimmt entfalten können. In der gymnasialen Oberstufe, die Tim zurzeit besucht, störe sich aber keiner mehr an seiner sexuellen Orientierung. Wahrscheinlich, so mutmaßt der 20-Jährige, sind die Jugendlichen in diesem Alter reifer, die Sache mit der Sexualität überhaupt zu verstehen.



Tim geht sehr offen mit sich um, doch bei seiner Familie muss er vorsichtiger sein. „Sich lediglich schwul zu geben oder geradeheraus zu sagen, dass man schwul ist, sind zwei verschiedene Sachen“, sagt er. „Natürlich kommt man schwer aus seiner Haut raus. Dennoch reiße ich mich meinem Vater gegenüber zusammen, damit er es nicht merkt. Bei ihm verstelle ich mich.“ Tims Mutter weiß zwar, dass er bisexuell ist. „Aber sie findet, dass es Quatsch ist, auf Mädchen und Jungen zugleich zu stehen. Für sie gibt es keinen Unterschied zwischen schwul und bisexuell. Eigentlich wertet sie beides ab.“



Dennoch fühlt sich Tim gut aufgehoben in seinem Umfeld. Seinen Freunden hat er sich lange vor seinen Eltern anvertraut, da war er 15 Jahre alt und erleichtert, als die Freunde meinten, dass sie es eigentlich schon lange bemerkt, ihn aber nicht darauf angesprochen hatten. Für Jugendliche, die auch über ein Outing nachdenken, hat Tim Tipps: „Beobachtet euer Umfeld genau. Wenn es homophob ist, solltet ihr euch vorher genau überlegen, wie weit ihr euch öffnen wollt. Und ihr solltet auch hundertprozentig sicher sein, ob ihr schwul, lesbisch, bi oder sonst was seid.“



Tim war 15 Jahre alt, als er begann, sich so akzeptieren, wie er ist. Im gleichen Alter war Robert Uebel, als ihm klar wurde, dass er sich mehr für Jungs als für Mädchen interessiert. Heute ist er Lehrer an einem Berliner Gymnasium und geht offen mit seiner sexuellen Orientierung um. Im Kollegium erfährt er keine Ablehnung aufgrund seiner Vorliebe für Männer. „Ich will jungen Leuten zeigen, dass es nicht peinlich ist, schwul zu sein“, sagt Robert Uebel. „Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er ein Coming-Out wagt. Und ich möchte mutig vorangehen und damit anderen Mut machen.“

2 responses to “„Es ist nicht peinlich, schwul zu sein“”

  1. Schwul says:

    Der gemeinsame Trend des öffentlich Gemachten ist sehr eindeutig:

    Maximal darf man sich “mehr für Jungs als für Mädchen interessieren”.

    Wehe dem, der selbstbewusst und emanzipiert schwul ist und dafür nicht erst 30 oder 40 werden muss.

    Inwiefern solches Geschreibsel eine Gleichbehandlung von männlicher HOMOsexualität unterstützen und fördern und jungen Schwulen helfen soll, ist mir ein Rätsel.

    Auf solche Pseudo-”Toleranz” kann man als Schwuler gern verzichten. Schreibt es euch hinter die Ohren: Wir stehen auf Jungs und Männer, sind geil auf Jungs und Männer, lieben Jungs und Männer.

    Und scheißen auf eure so genannte heterosexuelle “Norm”, die nichts anderes ist als eine gesellschaftliche (Zwangs-) Konstruktion.

  2. Marvin Vann says:

    Genau. Die allzu hohe Rate von Selbstmord bei Juengen stimmt weitgehend ab davon, dass ziemlich wenige jenen gute Vorbilder haben, die auch schwule oder bisex sind, und die ihre Sexualitaet schamlos leben. Deswegen bin ich auf meinen amerikanischen Gymnasium “out.” Obwohl wir uns in einen sehr konservativen Gegend finden, ist das in Kollegium kein grosses Problem, und ich bin nur selten von Schuler gemobbt gewesen.

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